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Wie lange wird die Seebefüllung wirklich dauern?

Tiefstand im Rhein

8. August 2022

Der Rhein hat wieder einmal einen Tiefstand erreicht, der die Schifffahrt vor extreme Probleme stellt. Nur die Hälfte der eigentlich möglichen Fracht kann geladen werden, damit genügend Wasser unter dem Kiel bleibt. Aber ab 2030 sollen durch die Rheinwassertransportleitung (RWTL) das Schwalm-Nette Feuchtgebiet und die Restlöcher in Hambach und Garzweiler mit Rheinwasser gefüllt werden. Sind eine – nach Angabe von RWE – Fülldauer von 40 Jahren für Garzweiler und von 48 Jahren für den Hambachsee zur Befüllung bei sich ändernden Klimabedingungen wirklich realistisch?

Foto: Michael Zöphel – Photography

Geplant ist, bei niedrigen Pegelständen des Rheins so viel Wasser zu entnehmen, dass der Fluss höchstens um einen Zentimeter abgesenkt wird. Nur bei deutlichem Hochwasser wird die Entnahmemenge bis zu 2 cm Pegelsenkung erhöht. Zugrunde gelegt wurden bei der Berechnung die durchschnittlichen Pegelstände des Rheins in den letzten vierzig Jahren.
Schaut man sich aber die Ergebnisse der letzten fünf Jahre an, fällt auf, dass diese Zahlen exorbitant abweichen: die Tage, an denen der Rhein Hochwasser führte, haben deutlich abgenommen und die Perioden mit Niedrigwasser sind gleichzeitig gestiegen. Beides erfolgte im Schnitt um rund 15 Prozent. Eine Niedrigwasserperiode so früh wie in diesem Jahr war bisher nicht zu verzeichnen, und bei der Trockenheit im Bereich von Oberrhein und Zuflüssen ist auch nicht mit einem sonderlichen Anstieg in den kommenden Monaten zu rechnen. Neueste Zahlen der UNO weisen nach, dass es in Mitteleuropa in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu einer Verringerung der Niederschläge kommt und damit zu einer verringerten Grundwasserneubildung, was eine höhere Versickerung aller Flüsse bewirkt.

Die Zahl der Hochwassertage mit höherer Entnahmemenge für die RWTL werden also weiter reduziert. Der bisherige Hochwasser-Tageswert wird im günstigsten Fall um 50 Prozent sinken, damit die Entnahmedauer um Jahre verlängert.

Das ist aber nicht die einzige schlechte Nachricht für das Rheinische Revier: die geringere Grundwasserneubildung führt dazu, dass aus den Seen auch mehr Wasser in den umliegenden Boden eindringt und der Spiegel entsprechend langsamer steigt. Gleichzeitig wird die Prämisse, durch Niederschläge (auch hier wurden die Zahlen ab 1980 angesetzt) bleibe der Seespiegel nach der Befüllung konstant, unhaltbar. Weniger Niederschlag und gleichzeitig höhere Verdunstung durch höhere Wassertemperaturen lassen erwarten, dass ein ständiges Nachfüllen aus dem Rhein erfolgen muss und die RWTL zu den Ewigkeitslasten der Braunkohletagebaue zählt.