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Ab jetzt besser vorbereitet sein!

-Auswirkungen auf den neuen Regionalplan -

30. Oktober 2021

„Die Hochwasser-Katastrophe hat vielen Menschen klar gemacht“, so Rolf Beu, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Regionalrat Köln, „dass auch sogenannte Jahrtausendereignisse sie selbst treffen können und dass der Klimawandel Realität ist.“

Foto: Alexander Franz

Die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 hat noch einmal verdeutlicht, dass die Häufigkeit und die Schwere von Hochwasserereignissen fatale Folgen des Klimawandels sind. Intensive Starkniederschläge im Sommer und vermehrte Regenfälle im Winter können zum Problem werden, wenn nur wenig Niederschlag in den wassergesättigten Boden versickern kann oder dies durch die zunehmende Versiegelung sogar gänzlich unmöglich ist. Durch die zunehmende Erderwärmung mit seinen Folgen auch für unser lokales Klima werden Starkregenereignisse wie zuletzt beobachtet in unseren Breiten weiter zunehmen. Um Mensch und Umwelt zu schützen, müssen wir daher nicht nur generell, sondern auch gezielt regional angepasst Klimavorsorge betreiben. Zu den prioritären Zielen der Raumentwicklung ist der planerisch vorbeugende Hochwasserschutz deswegen unbedingt erforderlich. Aufgrund unserer föderalen Struktur müssen länderspezifische Risikovermeidungsstrategien sowie Risikominimierungsstrategien entwickelt und umgesetzt werden, die aber nicht an den Ländergrenzen Halt machen dürfen. Bei allen Planungen bis hin zur kommunalen Bauleitplanung muss ein vorrausschauendes Denken stattfinden, dass den Klimawandel nicht nur mitberücksichtigt, sondern vielmehr mit höchster Priorität behandelt.

Deshalb fordern wir GRÜNEN ein Klima- und Katastrophen-Verzeichnis, das die Schäden und besonders gefährdeten Regionen auflistet. Eine exakte Wissensgrundlage zu den Schäden und Kosten des Klimawandels ist unbedingt erforderlich. Klare, bundesweite Vorgaben und eine Überarbeitung von Verwaltungsvorschriften und technischen Regelwerken sind hierbei absolut notwendig und müssen ab sofort in alle Planungen, egal ob auf Landes-, Regional- oder Kommunalebene erfolgen. Wenn wir alle Handlungsfelder des Hochwasserschutzes betrachten wollen, dann muss dies gleichwertig sowohl für den technischen Hochwasserschutz, den natürlichen Wasserrückhalt und die weitergehende Vorsorge gelten.

Ein ganz wichtiges Ziel in Bezug auf die Flächenvorsorge ist, dass die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten an die neuen Überflutungswahrscheinlichkeiten angepasst wird.  Das alleine reicht aber nicht. Vielmehr müssen diese Bereiche, sowohl die bereits existierenden als auch die neu auszuweisenden, mit weitaus größerer Konsequenz wie bisher von Bebauung bzw. Versiegelung freigehalten werden. Wo dies möglich ist, sollten bereits ausgewiesene aber noch nicht bebaute Bereiche für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung zurückgenommen oder neu überplant werden.

Des Weiteren müssen Bauwerke und Anlagen stärker gegen Hochwasser stabilisiert werden. Bereits bestehende Anlagen müssen schnellstmöglich instandgesetzt werden und sie dürfen nur dann weiter eingesetzt werden, wenn die Hochwasserschutzfunktion zu 100 % gewährleistet ist. Dabei gilt es alle Möglichkeiten zur Verbesserung und Modernisierung auszuschöpfen. Hochwasserschutzbecken sind hierbei unerlässlich. Dort wo dies sinnvoll und umsetzbar ist, müssen zusätzliche Hochwasserschutz-Anlagen errichtet werden.

Diese Erkenntnisse und Ziele bedeuten für die Praxis, dass ein vorbeugender Hochwasserschutz mit der genauen Erfassung und darauffolgenden Ausweisung von Überschwemmungsgebieten beginnt und sich dann in allen darauffolgenden Planungen konsequent widerspiegelt.

Eine gute Hochwasserprävention bedeutet aber auch, unseren Bächen und Flüssen mehr Platz einzuräumen in dem wir ihre Uferbereiche entsiegeln und wertvolle Auenlandschaften zurückgewinnen. Solche natürlichen Überschwemmungsräume sind nicht nur ökologisch hochwertvoll, vielmehr verringern sie auch die Gewässer-Fließgeschwindigkeit und geben damit viel mehr Spielraum für eine Warnung der Anliegerkommunen.

Natürlich ist es unabdingbar die Warnsysteme für die Einsatzkräfte und die Bevölkerung im Katastrophenfall auszubauen und zu verbessern. Das alleine wird aber nicht reichen, um insbesondere unsere Städte auf die zunehmenden Extremwetterlagen vorzubereiten. Inzwischen ist das Konzept der „Schwammstadt“, sprich auftretende Niederschläge werden nicht direkt in die Kanalisation abgeleitet, sondern in vielfältiger Weise möglichst lange vor Ort gespeichert, immer mehr Städteplanern bekannt. Unser Ziel ist es daher, nicht wie bisher auf schnellstmögliche Entwässerung zu setzen, sondern unsere Städte soweit umzubauen, dass sie das Regenwasser zunächst soweit als möglich wie ein Schwamm zurückhalten um es dann anschließend abzuleiten. Die Ansätze hierfür sind vielfältig und lassen einen großen Planungsspielraum zu.

Gründächer sind hier ein guter Ansatz: sie können Wasser speichern und es gezielt in andere Speicherbecken ableiten. Sie tragen zum Mikroklima bei und dämmen die Häuser. Des Weiteren sollen bestehende Versiegelungen entsiegelt werden. So können beispielsweise auch Innenhöfe von Gebäuden so umgestaltet werden, dass Regenwasser in das Grundwasser gelangen kann. Außerdem müssen die Lebensraumbedingungen der Stadtbäume verbessert werden. Gibt man ihnen mehr Platz für Wurzeln und Krone, können sie ihr Potenzial, das Klima durch Beschattung und Verdunstung lokal zu beeinflussen, wesentlich besser entfalten.

Wir GRÜNEN machen uns daher für einen umfassenden Hochwasserschutz auf allen Ebenen stark. Wir fordern eine konsequente Gewässerrenaturierung zur Schaffung neuer Retentionsräume. Außerdem sollen zerstörte Uferbereiche nicht lediglich 1:1 wiederhergestellt werden, sondern vielmehr muss das vorhandene Flächenpotenzial neu überdacht und daraufhin sinnvoll neu überplant werden. Da wir Mensch und Umwelt vor der Klimakrise schützen wollen, muss jetzt eine konsequente Vorsorge stattfinden. Aus diesem Grund werden wir unser Augenmerk beim neuen Regionalplan besonders auf diese Aspekte legen.